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 Aussprache im Mittelalter

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BeitragThema: Aussprache im Mittelalter   Sa Feb 18, 2017 1:36 am



RP Sprache im Mittelalter


Hier findet ihr ein paar Tipps und Anregungen wie ihr eure RP Sprache einen schönen Ausdruck verleihen könnt.

Wenn ihr noch nicht so geübt seit im RP könnt ihr euch einen kleinen Spickzettel zusammen stellen auf den ihr anfangs zurückgreifen könnt.
Die zuweilen bewunderte Kunst besteht in beständiger Aufmerksamkeit, etwas Kombinationsfreude, (leider auch) Begabung und sprachlichem Talent, aber selbst dann noch sehr viel Übung und noch mehr Fleiß. Ohne Letzteren hat noch niemand die Meisterschaft in ihrem oder seinem Fach gewonnen.
So hier wäre er also nun euer Spickzettel, wollen wir ihn mal näher betrachten und widmen uns sogleich der tieferen Bedeutung all dieser Stichworte:

Ihrzen & Euchzen
Gebet ein "e" den Verben
Englisch ist out!
Altbackene Worte
Latein ist excellent
des Genetivs Nutzung
Den Konjunktiv gäb's auch
Aus Neu mach' Alt
geschraubte Sätze



Die Anrede

Im Allgemeinen gilt zunächst: Wir siezen nicht, wir ihrzen und euchzen.
(Das ist zwar aus historischer Sicht ungenau. Aber das allgemein übliche "Du" wäre einfach langweilig.)
Beispiel:
Seid willkommen Wanderer.
So nehmt doch Platz und wärmt euch am Feuer.

Als Grundlage mag es genügen, erstmal schlichtweg alles und jede/n zu ihrzen. Wenn wir etwas sicherer geworden sind, dürfen (und sollten) wir unterschiedliche Standes-Ebenen in der Anrede verdeutlichen:
Steht Jemand im "Rang" über euch dann wird er stets mit "Ihr und Euch" angesprochen.

Ein Ritter steht über einem Bauern,
Ein Fürst steht über einem Ritter,
Ein König steht über einem Fürsten....

Untereinander kommt bei einigen Leuten schon mal ein 'Du' vor,
und abwärts ist das Duzen ganz selbstverständlich. Ein Ritter wird seinen Knappen nie mit Euch oder Ihr ansprechen.

Gebet ein "e" den Verben

Bei Aufforderungen und Fragen eignen sich Verben (Tätigkeitswörter) ganz vorzüglich dazu, am Ende um ein eingeschobenes "e" bereichert zu werden.
Hier ein paar Beispiele:

Ei, schauet nur diese Pracht!
Habet Ihr Eure Wahl schon getroffen?
Bedürfet Ihr eines Rates?
Wünschet Ihr noch einen weiteren Trunk?


Allerdings gilt hier weniger ist oftmals mehr. Nicht jedes Verb muss verlängert werden. Ansonsten kann der Sprachfluss dadurch gestört werden. Gut plaziert mal hier und mal da wertet es jedoch das gelesene unheimlich auf.

Englisch ist out!

Der heute übliche Gebrauch von Anglizismen ist erst seit der Amerikanisierung unserer Kultur selbstverständlich. Im Mittelalter finden wir derlei nicht. Um grobe Schnitzer zu vermeiden, gilt es also auch, uns selbst zuzuhören und bei Bedarf Ersatz zu finden. Hier ein paar Beispiele, die sich oft und gerne einschleichen, mitnebst möglichen sprachlichen Ausweichmöglichkeiten:

fair → rechtens / regelrecht / ritterlich
unfair → Das ist nicht recht / wider die Regeln
okay → Je, nun / Nun gut / Wohlan / Alsdann / Es sei
Stop! → Haltet ein!
Trick → Kunststück / Kunstgriff / Kniff
Sport → Ertüchtigung




Altbackene Worte sind angesagt!

Die obigen Beispiele lassen es bereits erahnen: In unserer Sprache gibt es gar viele altbackene Worte und Redeweisen, die wir sehr wohl verstehen und sofort wiedererkennen, dieser Tage jedoch nur gar zu selten eigenmündig verwenden. Wenn wir es doch nur verstünden, davon so viele als möglich zu sagen, als wäre derlei unser täglicher Sprachgebrauch! Dann nämlich wäre es kaum noch vonnöten, uns um Weiteres zu bemühen. Wer wie eine Figur aus dem Märchenbuche spricht, überzeugt bereits zur Genüge. Dieser Absatz mag als Beispiel dienen.
Eine große Hilfe kann es sein, wenn man sich versucht vorzustellen wie eine Figur aus dem Märchen dies oder das wohl gesagt hätte.


Latein ist excellent

Wer sich der Darstellung der höheren Stände widmet, kann und darf gerne einer Mode folgen, die bereits im Mittelalter entstand: der Latinisierung. Es klingt doch weitaus gebildeter, wenn etwas Latein in die Umgangssprache einfließt. (Ein Excempel excessiven Gebrauchs können wir im "Simplicissimus" nachlesen). Allerdings sollten sich Vertreter der niederen Stände besser vom Latein fernhalten. Denn schließlich: Wo sollen sie es denn her haben?


des Genetivs Nutzung

Des Genetivs Anwendung ist inzwischen rar geworden. Seine Verwendung am Satzanfang ist zudem ein hübscher Kunstgriff, dessen Erfolg die geringe Mühe durchaus lohnt.


Den Konjunktiv gäb's auch


Die Möglichkeitsform vertrüge durchaus mehr Verwendung, als die Neuzeit ihr zugesteht. Mit etwas Ohrenmerk fände sich wohl mancher Anlaß, und ganz alltägliche Sätze klängen plötzlich seltsam fremd.

Mich deucht, es wär wohl mählich an der Zeit...
Das könnt' ich wohl für Euch verrichten
Dies wäre schon für drei Silbergulden wohlfeil


Allerdings sei hier zur besonderen Vorsicht geraten. Ein Übermaß gerät flugs zum Eigentor: Gerade die hübschen kleinen Wörtchen "wär" und "sei" verführen zu möglichst häufiger Anwendung. Für's Erste sorgt derlei ja auch für einen höchst befremdlichen Klang. Überdies enthebt es uns der Mühe, das grammattisch richtige Wort zu finden. Der leicht erzielbare Effekt ist in der Tat so gewaltig, daß alsbald schon die Versuchung entsteht, sich im Bereich "mittelalterlicher" Marktsprache stets auf diesen einen bequemen Punkt zu beschränken. Leider jedoch nutzt sich die Wirkung gerade dadurch ebenso schnell wieder ab. Und spätestens, wenn der Konjunktiv dort erzwungen wird, wo er grammattisch blanker Unfug ist, blinzelt uns deutlich hörbar ein Faulpelz an.

Hier ein Paar abschreckende Beispiele, wie es bitte nicht sein sollte:

Ich hätt's wohl vergessen. (... unter welcher Bedingung?)
Es wär' nun an die drei Jahre her, ... (... wenn wir einmal so tun als ob?)
Ich sei wohl der Schmied hier... (... hat man ihm gesagt.
Wer aber ist er wirklich?)

Verbesserungs-Vorschläge:

Es ist mir gänzlich entfallen.
Zu Sankt (Tages-Heiliger von übermorgen) ist es nun drei Jahre her...
Ich bin der Schmied anhier...




Geschraubte Sätze

Als hilfreich erweist sich auch ein großes Gedächtnis, welches in der Lage ist, lange und geschraubte Sätze zu gestalten, darin ein Nebensatz noch sein Plätzchen findet, und dieselben hernach auch noch fehlerfrei aufzusagen. Dieses Stilmittel entsprich duchaus der Gewohnheit früherer Sprache und hat nicht unbedingt mit Verkünstelung zu tun. Es muß jedoch nicht jeder Satz lang sein.


Satz-Umstellung auch eine Idee

Wer bereits über ein gewisses Repertoire an Standard-Sätzlein verfügt, kann auch mal schauen, ob da nicht ein oder zwei dabei sind, bei denen der Satzbau noch eine Umstellung verträgt:
Nicht schmälern wollt' ich Euer Wissen, wohl aber es erweitern.

Allerdings sei dieses Mittel sparsam dosiert. Wenn solche verquasten Sätze in allzugroßer Zahl flüssig vom Munde gehen, fällt schnell auf, daß die eigentliche Umgangssprache wesentlich schlichter gestaltet ist. Wer nur einen solchen Satz abbekommt, ist mit Verstehen beschäftigt genug, um auf diesen Gedanken noch nicht zu verfallen.


Wie ihr seht gibt es viele Möglichkeiten das geschriebene Wort im RP zu verfeinern.
Was ihr unbedingt vermeiden solltet sind smilys in einem RP Satz.

Seid mir gegrüßt werte Dame Smile

sieht nicht nur ungut aus sondern zerstörrt auch nur allzuoft die Atmosphäre im RP!


In diesem Sinne gehabt euch wohl
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